Kantaten von Bach und Mozart (04.05.2019)

Kantorei an der Peterskirche, Kantatenorchester Heidelberg

Himmlische Töne für das Grabwunder
Erst der Sieg über den Tod durch die Auferstehung macht Jesu Geburt im Stall zum Wunder. Johann Sebastian Bach hat beide Ereignisse herausragend vertont. Sein Weihnachtsoratorium gehört zu den glanzvollsten Kompositionen der Kirchenmusik, sein Osteroratorium steht hingegen seltener auf dem Spielplan. Dabei muss es sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, wie seine Aufführung am Samstag unter Leitung von Anne-Christine Langenbach in der voll besetzten Peterskirche verdeutlichte

Zwischenapplaus verdient. Es bedurfte diesmal schon einer gewissen Beherrschung im Publikum, um die Gepflogenheiten, erst ganz am Schluss zu applaudieren, einzuhalten. Als die mit über 70 Sängerinnen und Sängern besetzte Kantorei am Ende des Oratoriums Jesus gesanglich mitreißend und prachtvoll in den Himmel einziehen ließ, stimmten Hunderte von Zuhörern innerlich in das Jubilieren ein, und die Wand der Chorsänger hatte sich ebenso wie Cornelia Winter (Sopran), Kirsten Schwarz (Alt), Sebastian Hübner (Tenor), Timothy Sharp (Bass) und das Heidelberger Kantatenorchester längst einen rauschenden Zwischenapplaus verdient.
 
Bewegende Dialoge. Aber es folgte sogleich noch Bachs Kantate „Erfreut euch, ihr Herzen“, in der nicht nur die stimmlich samtige Kirsten Schwarz und Tenor Hübner einen bewegenden Dialog zwischen Furcht und Hoffnung führten, sondern die Sängerinnen und Sänger der Kantorei in den Eingangszeilen „Erfreut euch, ihr Herzen, entweichet, ihr Schmerzen“ nahtlos wechselnd agierten, auf den Punkt genau dirigiert von Anne-Christine Langenbach.
 
Die ungebremste Freude über das Wunder der Auferstehung überstrahlte das neunzigminütige Konzert von der ersten Note an. Kompakt und glanzvoll stieg das Kantatenorchester mit der Sinfonia ins Oratorium ein, bereitete erwartungsvoll den Nährboden für die wellenartig besungenen, eilenden Schritte zum Grab und für das Lachen und Scherzen, das im 18. Jahrhundert, zu Zeiten von Johann Sebastian Bach, besonders gepflegt wurde angesichts der Auferstehungsbotschaft.
 
Mit Pauken und Trompeten, aber auch mit Querflöten- und Blockflöten-Soli entsteigt Bach musikalisch dem Grab. Die wechselnde Instrumentierung macht das Werk dieses Komponisten so farbig, gefühlvoll und ausdrucksstark. Nach solch starken Gefühlen konnte die nachfolgende Kantate nur durch den bereits erwähnten, prachtvollen Gesang der Kantorei die im ganzen Kirchenraum spürbare Spannung und Freude halten.
 
Mozart zum Abschluss. Wolfgang Amadeus Mozarts „Te Deum“, KV 66b, ein Lobpreis in C-Dur mit großer Doppelfuge als Schlusswendung, war als Abschluss des Konzertes, in lateinischer Fassung gesungen, wohl vor allem als Reminiszenz an eine Musik zu verstehen, die im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauke und Trompeten Himmlisches beschwört. Die Bachsche Freude über das Wunder der Auferstehung konnte zu diesem Zeitpunkt Mozart jedenfalls nicht mehr steigern.
 
Jürgen Drawitsch, Weinheimer Nachrichten 07.05.2019