Rossini: Petite Messe Solennelle (23.11.2019)

Kleine Messe mit großer Klangschönheit

Die Kantorei an der Peterskirche präsentiert zusammen mit excellenten Solisten Rossinis "Petite Messe Solennelle". Unter der Leitung von Anne-Christine Langenbach lief der 90-köpfige Chor der Kantorei an der Peterskirche zu Höchstform auf. Das hingerissene Publikum erlebte im Gotteshaus an der Grundelbachstraße eine wunderbare Aufführung der „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini.

Er war der bedeutendste Opern-Komponist des Belcanto, der 1792 im italienischen Pesaro geborene Gioachino Rossini. Zudem war er ein leidenschaftlicher Koch und Genießer, der seine reichlich fließenden Tantiemen in die Menüs der Pariser Gourmet-Tempel investierte. Vielleicht hat er bei seinen Schlemmer-Exzessen auch von „Kleinigkeiten“ gesprochen, so wie er seinem einzigen geistlichen Werk, das er mit 71 Jahren als Auftragskomposition schrieb, den Namen „Petite Messe solennelle“ (kleine feierliche Messe) gab.

Man kann dies nur als humorvolle Untertreibung auffassen, auch dass es im Nachwort seines Werkes heißt: „Ich habe diese ärmliche kleine Messe dem lieben Gott gewidmet“. Klein ist bei der „Petite Messe solennelle“ allerdings nur die Instrumental-Besetzung, da der Chor und die Vokal-Solisten nicht von einem Orchester, sondern ausschließlich von Harmonium und Flügel begleitet werden. Rossini musste sich wegen des Platzmangels in der Privatkapelle seines Auftraggebers auf die beiden Instrumente beschränken.

Unter der Leitung von Anne-Christine Langenbach präsentierte die Kantorei an der Peterskirche am Samstagabend in ihrem gut besuchten Kirchenraum eine beglückende Aufführung der „kleinen Messe“. Ganz ätherisch stimmte der 90-köpfige Chor das „Kyrie“ an, jubelte das „Amen“ im „Gloria“ und die Fugato-Passage des „Cum Sancto spiritu“ erklang durchscheinend und filigran in den Einzelstimmen.

Einen klugen Kontrast zum harmonischen Chorklang setzten Jan Henning am Harmonium und Jens Schlichting am Flügel mit ihrer geschliffenen Geschmeidigkeit. Diese dezent an gehobene Salonmusik erinnernde instrumentale Begleitung verlieh dem Werk ein faszinierendes Timbre. Bewusst opernhaft feuerten die Tastenkünstler den amerikanischen Weltklasse-Tenor Marlin Miller an, verliehen im „Crucifixus“ dem strahlenden Sopran von Eva-Maria Hofheinz eine geradezu tänzerische Note und versetzten den stets gute Laune ausstrahlenden Vinzenz Haab mit seinem sonoren Bass auf die Opernbühne, so wie die gesamte Messe in Stil und Dramatik den Opernkomponisten Gioachino Rossini widerspiegelte.

Bei der Uraufführung der kleinen Messe am 14. März 1864 in Paris urteilten die Kritiker: „Zu opernhaft, zu weltlich und zu sinnlich für einen geistlichen Stoff“. Tatsächlich erlebte das hingerissene Publikum am Samstagabend in der Peterskirche statt sakralem Ernst schmelzenden Belcanto, federnde Rhythmen und mediterrane Leichtigkeit.

Unter der Leitung von Anne-Christine Langenbach lief der große Chor zur Höchstform auf. Jan Henning widerlegte sämtliche Vorurteile, wonach das Harmonium einen minderwertigen Orgelersatz darstelle. Nicht umsonst bezeichnet man den Freiburger als einen der wenigen Experten des seltenen Instrumentes. Rossini hat für seine „kleine Messe“, die immerhin 90 Minuten dauert, einen instrumentalen Solopart geschrieben. Im „Prélude religieux“ wird das Harmonium vom Klavier „umrahmt“. Der Pianist Jens Schlichting wurde dieser Aufgabe mit enormer Ausdrucksfähigkeit mehr als gerecht. Sieht man einmal davon ab, dass der instrumentale Satz vor dem „Sanctus“ etwas zu langatmig geriet, so konnte man von einem wunderbar lyrischen Zusammenspiel der beiden Musiker sprechen.

Den krönenden Abschluss bildete das „Agnus Dei“, das der Chor, der mit seiner technischen Feinheit bestach, gemeinsam mit der exzellenten Altistin Alexandra Paulmichl sang. Das „Dona nobis pacem“ zeigte noch einmal die expressive Kraft eines Komponisten, dessen ironische Späße ebenso Bestandteil seines Glaubens waren, wie seine Hoffnung, an der er unabdingbar festhielt.

Lang anhaltenden Applaus gab es für die Musiker, die Gesangssolisten und einen Chor, der unter der souveränen Stabführung von Bezirkskantorin Anne-Christine Langenbach ein perfektes Kollektiv bildete.
 
Weinheimer Nachrichten, 25.11.2019 - Margit Raven