Weihnachtskonzert bei Kerzenschein (17.12.2017)

Nicht nur Klassiker der Adventsmusik

Chöre und Blasorchester an der Peterskirche stimmen bei Kerzenschein auf das Wunder der Geburt im Stall ein

 „Macht hoch die Tür“ und „O du fröhliche“ sangen alle in der nahezu voll besetzten Peterskirche am dritten Advent zu Beginn und am Ende des Programms mit. Die beiden Klassiker sind im „Konzert bei Kerzenschein“ sozusagen gesetzt. Dazwischen aber boten die Chöre der Singschule, einschließlich der Kantorei, sowie die Bläser eine Mischung aus Klassikern und Besonderheiten der adventlichen Chor- und Musikliteratur. Das Wunder der Geburt im Stall wurde mal andächtig in mystischer Tonlage, dann wieder triumphal und freudig besungen und gefeiert.
 
Anne Christine Langenbach und Simon Langenbach, die beiden Bezirkskantoren an der Peterskirche, hatten mit ihren Chören und Ensembles eine Mischung zusammengestellt, die Vorfreude auf Weihnachten schürte. Der geschlossene und qualitativ wieder überaus ansprechende Auftritt der Sänger verschiedenster Generationen ist in diesem Jahr besonders hoch einzuschätzen, hatte doch das Lutherjahr mit einem Festkonzert bereits besondere Anforderungen an die Aktiven gestellt.
 
Anscheinend setzen solch erfolgreiche Auftritte zusätzliche Energien frei, denn Kantorei, Kinderchor oder der Jugendchor „Vivida banda“ präsentierten sich auch zum Jahresende hin vital und konzentriert. Vor allem „Vivida banda“ zog das Publikum in seinen Bann. Bei „Carol Of The Bells“ des ukrainischen Komponisten Mykola Leontovych ließen die jungen Sängerinnen und Sänger in einer sich ständig wiederholenden Tonfigur die Weihnachtsglocken läuten. Auch ihre Darbietung des mystischen und überaus anrüh renden „Away In A Manger“ des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo riss das Publikum zu Zwischenapplaus hin.
 
Dass vor allem skandinavische Chorliteratur auf Zuhörer eine be sondere Wirkung entfaltet, hatte sich bereits zuvor in einem Beitrag der Kantorei gezeigt. Ausdrucksvoll entfalteten sich Melodik und Harmonik in der Peterskirche bei einer Komposition von Edvard Grieg. Sein „Ave maris stella“ ist geprägt von der schlichten Empfindsamkeit eines alten Stundengebets und gehört zu den bedeutendsten skandinavischen Chorwerken. Nun ist es überaus bereichernd in einem Adventskonzert, bei dem Bachs „Ich steh an deiner Krippen hier“ natürlich nicht fehlen darf.
 
Die Singschule an der Peterskirche wächst und gedeiht. Dass sie auch in Zukunft für Sängernachwuchs garantiert, verdeutlichten Beiträge des Kinderchors. Selbstbewusst und engagiert zeigten sich die Jüngsten in „Christus ist geboren“ des polnischen Komponisten Josef Swider oder im freudigen „Engel haben Himmelslieder“ von Franz Koringer.
 
Mit Bedacht und Kalkül war das Weihnachtskonzert bei Kerzenschein zusammengestellt worden. Ständig wechselte musikalisch die frohe Kunde zwischen den Chören, der singenden Gemeinde, die Tabea Wilhelm an der Orgel begleitete, und Lesungen kurzer Texte von Gemeindediakonin Monika Preis und Jugendlichen der Singschule. Und natürlich hatten sich auch die Bläser einige Besonderheiten ausgedacht. Der von ihrem Leiter Simon Langenbach komponierte Marsch oder das Allegro von Henry Purcell betonten die Tatsache, dass in der Krippe im Stall von Bethlehem ein König zur Welt kam, dem auch musikalisch triumphal gehuldigt werden darf. Lang anhaltender Beifall war am Ende der verdiente Lohn für alle Beteiligten.
 
Jürgen Drawitsch, Weinheimer Nachrichten 19.12.2017