Chorkonzert beim Weinheimer Orgelsommer (24.06.2015)
Lieder, so wärmend wie die Jahreszeit - Kantorei der Peterskirche und Organist Simon Langenbach feiern den Sommer, die Sonne und die Lebenslust
Nicht in der sonst von ihnen gewohnten festlichen, dunklen Kleidung standen die 65 Sängerinnen und Sänger der Kantorei am Mittwoch unter der Orgelempore der Peterskirche, und es wurde schnell klar, dass die freie Kleiderordnung beim Auftritt im Rahmen des Weinheimer Orgelsommers sehr passend gewählt war. Sie war so bunt wie die oftmals strahlenden Melodien des gut durchdachten Programms, das die Frische und Wärme des Sommers pries.
Sonniges aus dem hohen Norden
Chorleiterin Anne-Christine Langenbach und der gemischte Chor schenkten den zahlreichen Besuchern nicht nur einen bestens einstudierten, energetisch schwingenden, homogenen Chorgesang, sondern auch die Erkenntnis, dass skandinavische Komponisten keineswegs nordisch unterkühlte oder gar schwermütige Chorsätze zu Papier bringen müssen, sondern das pulsierende Leben und die Pracht der Natur harmonisch zu würdigen wissen.
Die Auswahl reichte vom schwedischen Organisten, Musiklehrer und Komponisten Waldamar Ahlen, von dem der „Sommarpsalm“ als landestypisches Festlied erklang, über seinen Landsmann Anders Öhrwall, der dem Sommer auf getragene Weise Ausdruck verlieh bis zu Wilhelm Stenhammar, der nicht nur den Spätsommerwind in Bäumen rauschen lässt, sondern die Kantorei auch noch mit einem altdänischen Text konfrontierte.
Solistisches an Orgel und Flügel
Auch dies konnte die Lust am Singen nicht trüben. Abwechslungsreich waren die Solo-Einlagen an der Orgel, die Simon Langenbach mal bei Bachs Präludium und Fuge in G-Dur, BWV 541 freudig, ja geradezu enthusiastisch schwelgen ließ oder ihr bei einer Humoresque des britischen Noel Rawsthorne humorvolle Zitate entlockte. Einmal nahm Langenbach auch am Flügel Platz und demonstrierte in „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ wieviel jazzige Stilformen in dieser bekannten Komposition von Michael Schütz steckt. Nachdem bei Madrigal und Calzone von Claudio Monteverdi und Orlando di Lasso die ohnehin sonnen- und sommerverwöhnten italienischen Komponisten zu ihrem Recht gekommen waren, wandten sich Chor und Organist zum Ende des gut einstündigen Konzertes der Ruhe des Abends zu – sachte und leise bei einem Chaarakterstück von Josef G. Rheinberger an der Orgel und wohltuend fließend und stimmungsvoll in Hugo Wolfs Einkehr. (dra)
Weinheimer Nachrichten 26.06.2015