Schubert: Messe As-Dur (25.06.2022)

Ungestümes Klangerlebnis

Kantorei an der Peterskirche und Heidelberger Kammerorchester beeindrucken

Wer am vergangenen Samstag der Konzerteinladung der Kantorei an der Peterskirche gefolgt war, der erlebte, was es heißt, Musik zu feiern. 200 Jahre ist es her, dass Franz Schubert die Arbeit an seiner Messe in As-Dur vollendet hat, der Komposition, die er selbst als sein „Meisterwerk“ bezeichnete. Die Kantorei hatte diesen „Geburtstag“ noch gar nicht im Sinn, als die Messe auf den Konzertplan gesetzt wurde, denn eigentlich sollte die Aufführung schon im Sommer 2020 stattfinden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Doch es sollte anders kommen und nun wurde das Konzert zu einem besonderen Fest dieses Jubiläums. Doch bevor Schuberts Musik erklang, musizierte das Heidelberger Kammerorchester unter der Leitung von KMD Anne-Christine Langenbach die Sinfonie in c-Moll von Joseph Martin Kraus. Kraus, der aufgrund seiner mit jenen Wolfgang Amadeus Mozarts nahezu identischen Lebensdaten und seines Herkunftsorts auch der „Odenwälder Mozart“ genannt wird, ist hierzulande zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Seine Musik ist im besten Sinne galant, spannungsvoll und spritzig. Dass diese Musik auch den Künstlern Spaß macht, zeigte die Spielfreude, mit der sich das Orchester präsentierte. Virtuose Passagen klangen wie selbstverständlich leicht und lebendig. Im ruhigen zweiten Satz wechselten sich die gut ausgearbeiteten dynamischen Extreme ab, vom kräftigen Forte bis zum Pianissimo, das in Stille mündete. Der Finalsatz folgte als ungestümes Klangerlebnis. Zur Messe, im Orchester besonders in den Bläsern größer besetzt als die Sinfonie, stellte sich der Chor auf. Mit leisen Tönen begann das Kyrie, der Ruf um Gottes Erbarmen. Die vier Solisten des Abends bildeten in allen Teilen der Messe immer wieder ein Gegenüber zum Chor. Schubert inszenierte die Texte dramaturgisch gekonnt: Soli und Chor singen sich Passagen und Motive zu, nehmen sie auf und fallen sich sogar gegenseitig immer wieder „ins Wort“.

Im Klang sehr homogen präsentierten sich dabei die Solisten Cornelia Winter, Kirsten Schwarz, Thomas Jakobs und Timothy Sharp. Überraschend klanggewaltig folgt das Gloria. Die Kantorei, zwar von der Sängerzahl noch nicht wieder in der Stärke wie vor Pandemiebeginn, überzeugte dennoch mit großer Klang- und Ausdruckskraft.

Nichts war davon zu spüren, dass die Proben unter widrigen Bedingungen stattfanden, gerade in den kurzen A-cappella-Passagen bewies der Chor seine Qualität. Ein besonders inniger Moment der Messe erklang im „Gratias“ im Wechselspiel des klaren und tragenden Soprans von Cornelia Winter mit dem Klang der Solo-Klarinette.

Chor, Solisten und Orchester boten ein musikalisches Gesamtkunstwerk, dessen inhaltliche Botschaften beim Publikum ankamen. Beeindruckend komponiert ist das Hämmern der Klänge im Crucifixus und das flehende „Miserere“ im „Agnus Dei“. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus wurden die Erwartungen des Publikums auf eine Zugabe enttäuscht. Doch wurde darauf verzichtet, denn so klang dem Zuhörer beim Heimgehen die innige Bitte um Frieden aus dem „Dona nobis pacem“ noch lange nach.

                                                                                            Weinheimer Nachrichten, 28.06.2022