Johann Sebastian Bach: Johannespassion (2016)

Peterskirche Weinheim, Samstag, 12.3.2016, 19.00 Uhr

Cornelia Winter – Sopran
Kirsten Schwarz – Alt
Achim Kleinlein – Tenor
Timothy Sharp – Bariton
Martin Lehr – Bass
 
Mannheimer Kammerphilharmonie
Kantorei an der Peterskirche Weinheim
Leitung: A.-C. Langenbach
 
Die Johannes-Passion ist in vieler Hinsicht eines der faszinierenden Werke Bachs. Ihr Text zeugt von einem für die Zeit ungewöhnlich tiefen Verständnis für das Gedankengut des vieren Evangelisten. Johannes. Die Komposition erscheint in ihrem dramaturgischen Aufbau noch dichter und lebendiger als die Matthäuspassion. Als am Karfreitag des Jahres 1724 Bachs Johannes-Passion in der Leipziger Nicolaikirche zum ersten Mal erklang, war dies ein aufsehenerregendes Ereignis. Eine derart komplexe und dramatische musikalische Ausdeutung der Passionsgeschichte hatte man bis dato nicht vernommen. Bachs ,Passionsdrama‘ vergegenwärtigt die Leidensgeschichte Jesu in einer Weise, die auf Hörer bis heute eine einzigartige Sogkraft auszuüben vermag. Im Zentrum des Werks steht selbstredend die Passionserzählung des Johannesevangeliums (Joh 18 und 19), für Martin Luther das eigentliche „Hauptevangelium“ unter den Evangelien. Hinzu kommen das Geschehen reflektierende Arien und Ariosi (allerdings weitaus weniger als in der später entstandenen Matthäuspassion), Turbae-Chöre und Choräle. Neben den einzelnen "dramatis personae" (Jesus, Petrus, Pilatus etc.) ist der Chor entscheidender Akteur in Bachs Passionsdrama - ob in der Rolle der ins Geschehen verwickelten Menge und der Hohepriester oder in derjenigen des das Geschehen reflektierenden, über des meditierenden Glaubenden. Die Rahmensätze des Werks werden dem Chor zugewiesen, wobei sich ein weiter Bogen von dem großen Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ bis zum Schlusschor und dem die Passion beschließenden Choral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“ spannt. So wird zugleich die Botschaft des vierten Evangelisten prägnant verdichtet: Der Gekreuzigte ist der Verherrlichte, und er ist es, der dem Glaubenden Freiheit - Freiheit von Sünde und Tod - schenkt. Mit dieser - österlichen - Gewissheit wird der Hörer entlassen, den Bach - einst wie heute - mit der Sprache seiner Musik erreichen will.